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Spielzeugmacher (3)

News & Stories — 10. November 2014
by Matthias Kanter
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Für Formost war die Orientierung an Wilhelm Wagenfelds Definition der „guten Ware“ hilfreich. Sie schließt neben Gestaltungsqualität, Zweckmäßigkeit und sinnvollem Materialeinsatz die optische Verschleißfestigkeit genauso ein wie die Sinnhaftigkeit und Freude beim Herstellen der Dinge.
Wagenfeld war sich sicher, dass jeder Gegenstand genau das in unseren Alltag abstrahlen kann. Dass er sich selbst dieser Herausforderung in großen deutschen Industrieunternehmen gestellt hat, bleibt einzigartig. Heute scheint uns der Begriff Formgestaltung zur Erneuerung einer deutschen Gestaltungskultur fast geeigneter. Das heißt aber auch, so völlig unzeitgemäße Dinge wie Demut und Patina als Werte neu zu entdecken.

Ist es Zufall, dass die japanische Kultur in Person einer erfolgreichen Händlerin (NikiTiki) das Beste mitteleuropäischer Lernspielzeuge über zwanzig Jahre gerettet und bewahrt hat, bis wir es nun langsam wiederentdecken? Sie hat es auch geschafft, dass edutoys als Thema bis in die japanischen Universitäten vorgedrungen sind und zur Grundausstattung vieler Kindergärten und Seniorenresidenzen gehören. Renate Müller begegnete man in Japan fast wie einer Zenmeisterin und Gerd Kaden bestückt in Südkorea ganze Hallen, in denen man Eintritt bezahlt, um Murmelbahnen zu spielen.

Das eine sind unsere Kinder, denen sicher niemand bewusst Schlechtes geben will. Die andere Seite betrifft unsere Kultur und auch unsere wirtschaftliche Zukunft. Ein regionaler Produzent schafft gute Arbeitsplätze und Lehrstellen. Schließlich ist der allgemeine Mangel an sinnvoller Arbeit längst eine ernstzunehmende Krankheitsursache. Und wer eine Tischlerwerkstatt betritt, spürt sofort, wie wenig die kurze Freude über den Schnäppchenpreis wert ist im Vergleich zur Freude über das hier für Generationen geschaffene Produkt. Vielleicht ist es überhaupt wichtiger, wie etwas gemacht wird. Vielleicht braucht Qualität Festpreisbindung wie das Buch, um als Kulturgut erhalten zu bleiben.

Noch im Krankenhaus bekommen junge Eltern umfangreiche Beratung zu Grundausstattungen. Nicht für Spielsachen. Hier ein paar Vorschläge aus unserem Praxistest: eine gute Babyrassel aus Holz, große Holzkugeln und Murmeln, ein großes stabiles Xylophon, ein paar Trommeln, Kreisel, ein Badewannenboot, eine Sprossenwand, eine gute Sportmatte, eine gute Kugelbahn, ein Lauflernroller, ein guter Holztraktor mit Hänger, ein kleiner Bollerwagen, ein großer Holzbaukasten, eine Wasserpistole, mindestens sechs gute Handpuppen, mindestens ein Kuscheltier, Malsachen, eine tolle Verkleidungskiste, die fortlaufend neu gefüllt wird, eine Bastelkiste mit Stoff, Leder und Kleber, gute Kinderbücher, ein Schachspiel, Taschenmesser und Fernglas, Taschenlampe, Fahrrad, Fußball, Seile und ein paar ausgewählte Spiele auf dem iPad, damit die Gelassenheit auch diesen Dingen gegenüber erhalten bleibt.


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Das alles als „gute Ware“ zu finden, ist schon eine Aufgabe. Wenn man sich unsicher ist, ob etwas wirklich gut ist, hilft oft ein Blick auf die Beweggründe der Macher, da eine Sache selten besser ist als die Gedanken, die ihrer Herstellung vorausgingen. Klar braucht man ein paar Winterabende dazu. Besser als alles Spielzeug sind natürlich Menschen, die für Kinder Zeit haben. Und natürlich sind ein selbstgeschnitztes Schwert oder ein altes Skateboard mit Sitz die spannendsten Designentwürfe der Kinder selbst.

Schön bleibt auch die Erkenntnis, dass Kinder auf Zeit etwas lieben, das eifernde Pädagogen und  Geschmacksapostel mit Bannfluch belegen würden. Aber wie, wenn nicht so, entwickelt sich wirkliche Individualität? Während ich hier schreibe, formieren sich gerade römische Truppen (leere Katzenfutterbüchsen) zum Kampf gegen Obelix (Boxhandschuh) und der Feldherr (acht Jahre) versucht, sehr zur Freude der Katzen, immer weitere Verbände heranzuziehen.

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SOURCE: CORE77.COM

What Do the Different Icons on Japanese Washlet Toilets Mean?

Visitors to Japan may find themselves befuddled by the control panels on washlet toilets, like this one:

There are at least nine different toilet manufacturers, each with their own graphic design team that has individually decided how to communicate various functions. For example:

In an effort to make these less confusing to foreigners, the members of the Japan Sanitary Equipment Industry Association have agreed to standardize the designs. Here's the new universal iconography:

And here's what they all mean:

For those of you that can read katakana, this one may confuse you a bit:

In katakana it says "bidet," yet is meant to refer to "Front Spray for Females." This is because in Japan, "bidet" has erroneously been understood to refer to only that part of the job. But consider the graphic design challenge this poses: If we look at the icon for "Rear Spray"....

...that's clearly an ass, which could belong to either gender. How does one flip the image around to indicate "Front Spray for Females [Only]" without drawing something crass? 

The designers have neatly solved this by not showing the front view at all, but by using a side profile and simply adding an extra tuft of hair to suggest a female.

Well played. Though we are a bit curious to see what designs ended up not making the cut.

In any case, the standardization of these icons is a welcome measure, and one that will surely go down in the annals of graphic design history.

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SOURCE: CORE77.COM

Happy Friday From These Friendly Japanese Gas Tanks 

I live in Portland, Oregon, which is home to several large above-ground water towers. When I first moved into an apartment near one of these enormous green mushrooms I couldn't shake the sense that it loomed over the neighborhood watchfully. Like that ominous iron-shaped edifice in FLCL. Smaller towns are likely more used to these contraptions, and larger cities have too much visual clutter and land value to think about them much. Whether they're part of your daily landscape or not, we could take some pointers from the Japanese on how to make our bulbous and off-putting industrial architecture a bit more approachable. 

Japan uses a good deal of natural gas—as of 2014 they were around the 5th largest consumer market internationally—which means they hold and process a lot of gas. While that kind of bloated architecture might be embarrassing in other cultures, the Japanese have found plenty of ways to embrace and work around their bulging buildings. 

Painting them like fruit and vegetables seems to be a common way of blending them seamlessly into their surroundings.

Nature scenes are popular too. Think it's anything like the trend of naming condos and gated communities after the stuff they cut down to make them? Probably not. The Japanese have a great respect for nature.

Maybe this gas was made from millennia-old hummingbirds? That's certainly cuter than decomposing dinosaurs and ancient plant matter.

Yeah, I don't really know. Is it steering? Why you'd want a carp in a rolling cart at all, let alone on the side of an enormous gas tank, is not something I can answer. But I'd still enjoy having it outside my window.

Everything's going to be great, I can feel it. Might just be gas though.

Have a happy weekend! 

You can find many more creatively decorated tanks (Tandem bicycles! Fat children! Soccer balls!) and their locations at the Gastank Map.

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